Zu schwammig? Was meinen wir mit New Work?

Auch ich habe selbst in meiner eigenen Veröffentlichung den Eindruck, dass ich den Begriff New Work nicht trennscharf genug verwende.
Ein Kollege fragte erst: „Wird Agilität und ggf. Selbstorganisation da subsumiert? Dann öffnet sich für mich ein großer Raum.“
Auch nachdem mein Buch publiziert wurde, bin ich nach wie vor dem New Work Konzept auf der Spur. Die entscheidenden Erkenntnisse kamen mir vor allen in den letzten Monaten, als ich mir die Interviews von Frithjof Bergmann immer und immer wieder neu angehört habe.

Abgrenzung zur „Old Work“

Und ja, es gibt eine Abgrenzung zur „Old Work“, denn Old Work beachtet nicht…

  • wie es dem Menschen bei seiner Tätigkeit geht;
  • ob er/sie eine gute Balance im Tempo hat;
  • ob sie/er gesund bleibt;
  • wir uns als Mensch weiterentwickeln;
  • Und auch nicht, ob es eine Tätigkeit ist, die der Mensch selbst als sinnvoll betrachtet.

Was macht New Work mit uns?

New Work gestaltet bewusst Arbeit so, dass sie nicht mehr als notwendiges Übel oder milde Krankheit – durch die man halt durch muss -konstruiert ist, sondern so…

  • dass du an ihr wächst;
  • lebendiger wirst;
  • gestärkt wirst;
  • und gleichzeitig etwas tust, was du wirklich wirklich willst.
  • Ferner ermutigt sie dich, hin und wieder zu testen, ob es für dich immer noch der richtige Weg ist oder du mal etwas Neues ausprobieren solltest.

New Work ist nicht linear angelegt. Sie geht nicht davon aus, dass wir nur einen Beruf unser Leben lang ausüben sollten. Mein Vater hat über 45 Berufsjahre hinter sich gebracht und mit 15 mit seiner Lehre angefangen zu arbeiten. Er hat seinen Beruf nie verändert. Er war von Anfang bis zum Ende Weinverkäufer. Wenn ich ihn fragen würde, ob er an seiner Arbeit gewachsen ist oder sich lebendiger gefühlt hat, würde er das verneinen. Arbeit war Pflicht. Immerhin glaube ich schon, dass er sehr überzeugter Weinhändler war, die Idee kam jedoch von seinem Vater. Also ganz klar durch das Patriarchat. Er hatte keine Wahl und es wurde ihm nichts beigebracht, auch nicht im Sinne des Denkens, sein Berufsleben verändern zu können.

Vergleich zum Konzept „Agile“

Für mich hat Agilität eine gemeinsame Schnittmenge mit New Work – ist aber nicht das gleiche.
Gemeinsamkeiten sind…

  • das gleichmäßige und gesunde Tempo, in dem wir arbeiten sollten;
  • das kontinuierliche Inspizieren und Anpassen, wobei New Work eher den Schwerpunkt beim Individuum und seiner Förderung und Agile eher beim Team und Produkt legt.
  • Beide Konzepte sind auch verzahnt mit dem Thema Motivation und daher auch an Selbstorganisation geknüpft, wobei auch hier Agilität eher bessere Zusammenarbeit damit erzielen will, während es New Work mehr um die Sinnstiftung als Motivation geht.

Interventionen

Wer sich in seiner Organisation mit dem Thema New Work mit anderen auseinandersetzen möchte, könnte folgende Fragen diskutieren:

  • Was braucht es, um sich bei der Arbeit weiterzuentwickeln?
  • Wann fühlt sich Arbeit für euch lebendig an / wann eher nicht?
  • Welche Tätigkeiten, Aufgaben oder Verantwortlichkeiten könnt ihr identifizieren, die ihr wirklich, wirklich wollt?

Vermutlich ist man weit weg von New Work, wenn man sich nie selbstwirksam in seinem Job fühlt oder hier nie einen Raum für sich wahrnimmt. Meistens führt das auch früher oder später zur Kündigung oder noch schlimmer zur Resignation.
Geeignete Interventionen könnten zum Werkzeug werden, um sich die eigene Arbeit mehr anzueignen und mehr Identifikation zu schaffen.
New Work ist für mich daher eine Bewegung, die Sensibilisierung für die eigenen Bedürfnisse in Sachen Berufung schafft.

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