Was ist ein Agile Coach?

Was ist ein Agile Coach?

Als Anbieterin einer Agile Coach Ausbildung werden wir oft gefragt, wie der Karrierepfad zum Agile Coach aussieht oder wie der Einstieg als Scrum Master funktioniert? Der heutige Artikel geht zunächst einen Schritt zurück, rekapituliert, was wir unter einem Agile Coach verstehen und welche Tätigkeiten unter das Agile Coaching fallen. Im Anschluss beleuchte ich, warum ich mich seit diesem Jahr Agile Companion nenne.

Ein Agile Coach ist eine Rolle, meist im Kontext von Veränderungsbegleitung

Weder der Begriff „Agile Coach“ noch „Coach“ allgemein sind geschützt. Ich hatte hierzu in meinem Beitrag Was ist ein Agile Coach per Definition? diverse Konzepte, wie Trainer, Berater und Coach analysiert. Die Figur des Agile Coaches tritt meistens auf den Plan, wenn es um Veränderungen, also Change oder Changemanagement im Sinne von Organisationsentwicklung oder noch genauer gesagt, Unternehmenskultur und Zusammenarbeit mit Blick auf die Wertstromkette geht. Die zentrale Frage ist dann: „Wie generieren wir in der Organisation gemeinsam wertbringende Ergebnisse?“ Ein Agile Coach kann genau hier als Expert*in für sogenannten „Agile Frameworks“, die Verbesserungspotentiale sichtbar machen und kontinuierliche Verbesserungsprozesse etablieren, zur Sparringspartner*in werden.

Was ist ein Agile Coach per Definition?

Ein agiler Coach ist per Definition in der agilen Szene jemand, der Systemisches Coaching beherrscht und sowohl als Beraterin (aka Consultant), Trainerin (aka Ausbilderin) und Moderatorin innerhalb einer Organisation tätig wird. Schauen wir uns also diese vier Rollen im Detail an.

Coach*in

Wie erwähnt ist der Begriff des Coaches nicht geschützt und ist mit vielfältigen Kontexten von Sport bis Dating, aber auch beruflichen Zusammenhängen besetzt. Um so wichtiger ist hier eine klare Abgrenzung und daher auch die Erweiterung des Konzeptes mit z. B. dem Blick auf das Systemische Arbeiten. Wenn wir als Agile Coach tätig sind, möchte unsere Kundin verstehen, wer ihr gegenübersitzt. Es ist also wichtig, dass ihr aktiv eure Rolle gemeinsam klärt. Was gehört für euch zum Coaching dazu? Was ist quasi mit eingepreist, wenn man euch beauftragt? Bei der New Work Academy sind alle Agile Coaches auch Systemische Coaches, d. h. sie haben eine Ausbildung bezüglich Systemischen Arbeitens und sind versiert mit Fragetechniken, Interventionen und Coachingprozessen. Sie haben außerdem eine bestimmte Coachinghaltung, die davon geprägt ist, dass die Lösung im System und beim Klienten liegt. Es geht uns um das Aktivieren von Ressourcen, einer Würdigung von vorhandenen Strategien und schlussendlich um die Hilfe zur Selbsthilfe. Konkret bedeutet dies, dass ihr als Coach innerhalb einer Organisation Einzelgespräche mit Mitarbeitenden über anstehende Herausforderungen oder Konflikte führt, mit Teams an Widerständen arbeitet und Führungskräfte dabei begleitet, ihr Mindset zu erweitern. Nicht selten ist auch das Thema Organisationsentwicklung im Vordergrund. Hier könnt ihr explizit die Frage stellen, ob man euch wirklich als Coach*in oder doch eher als Berater*in braucht.

Berater*in

Als Berater*in, die aus dem agilen Umfeld kommt, steht ihr Rede und Antwort, wenn eure Kund*in dies explizit wünscht. Klärt auch hier in der Auftragsklärung, was es braucht: Soll die Lösung von euch kommen, gemeinsam erarbeitet werden oder doch lieber ganz eigenständig auf Kund*innenseite entwickelt werden. Jeder Weg birgt seine eigenen Risiken und Vorteile und es ist wichtig, dass sich ein „Agile Coach“ mit Blick auf Beratung im Vorfeld klar ist, wo ihre oder seine Grenzen liegen. Bei der New Work Academy bevorzugen wir den Weg der Eigenständigkeit des Kundens. Wir bringen jedoch in beratender Rolle sehr gerne zwei Werkzeuge mit: Das Agile Manifest mit seinen vier Werten und seinen zwölf Prinzipien und auch das Agile Maturity Growth Model. Außerdem stellen wir gerne bestimmte Wirkelemente vor, die sich in agilen Frameworks befinden, wie das Pull-Prinzip oder Timeboxing. Wir beraten also gerne zu unserem Werkzeugkasten, wenn sich die Kund*in das wünscht und eine klare Orientierung von uns wünscht, was wann gut passen könnte und wie agiles Arbeiten aus unserer Sicht die meisten Vorteile mit sich bringen kann. Das Beibringen dieser genannten Elemente liegt dann im Bereich des Trainings, was wir von der Beratung abgrenzen.

Trainer*in

Ausbildung, Fortbildung und Schulung fassen wir unter den Bereich der Trainer*in. Die Trainer*innen der New Work Academy haben Erfahrungen mit der Einführung von Scrum und Kanban und können hierzu Trainingsformate durchführen. Auch Prozesse wie Design Thinking und LEGO Serious Play können von uns beigebracht und etabliert werden. Trainer*innen können sowohl Feedback zu bestehenden Prozessen geben, als auch mit Organisationen daran arbeiten, Verbesserungen an Abläufen in der Zusammenarbeit vorzunehmen. Wir haben hierzu beispielsweise Workshops entwickelt, in denen wir die Kommunikations- als auch Feedbackkultur stärken können.

Moderator*in

Schließlich unterstützen wir auch ganz operativ in der Moderation. Die Meetingkultur ist in vielen Organisationen nach wir vor ein größeres Thema und meist fehlt es an erfahrenen oder neutralen Moderator*innen. Hier kommen Agile Coaches in der Funktion von Moderator*innen, Facilitator*innen oder Mediator*innen ins spiel. In diesem Kontext ist es erneut sehr wichtig, seine Rolle gut abzugrenzen und explizit am Anfang einer Sitzung zu erläutern, was ihr euren Kund*innen anbietet zu tun. Konzentriert ihr euch auf die Visualisierung oder auf ausgewogene Redeanteile? Führt ihr Protokoll oder soll dies jemand anderes übernehmen? Organisiert ihr den Termin und die Agenda oder machen dies die Beteiligten des Meetings? Klärt genau, welches Mandat ihr in der Moderation habt, insbesondere, wenn es möglicher Weise um die Facilitierung von Arbeitsprozessen geht, ihr also auch ggf. methodisch stärker involviert seid.

Scrum Master vs. Agile Coach?

Es gibt in der Community Diskussionen darüber, wie und ob sich ein Scrum Master von einem Agile Coach unterscheidet. Ich habe meine Gedanken hierzu niedergeschrieben. Bei der Frage des beruflichen Einstiegs und der Qualifikation kommt es vermutlich darauf an, was euer berufliches Ziel ist? Was ist es, dass euch mehr begeistert und lebendiger machen würde? Für mich sind die Rollen nicht trennscharf, aber ich weiß, dass viele Organisationen den Scrum Master mit dem Fokus auf Teamarbeit und den Agile Coach mit dem Fokus auf Organisationsentwicklung platzieren. Je nach Background fällt es euch vielleicht zu argumentieren, warum ihr für den einen oder den anderen Fokus qualifiziert seid. In der Agilen Sprechstunde haben wir mehrere Ansätze identifiziert, wie ein Einstieg in diese Rollen gelingen kann:

  • Besucht einschlägige Community Veranstaltungen, wie „Agile by Nature“ oder das „Agile Coach Camp“ sowie die Scrum Tische in eurer Region und lernt von eurer Peergroup. Platziert hier auch euer Anliegen und baut euer Netzwerk aus.
  • Sucht nach einschlägigen Qualifizierungen, wie jenen der Scrum.org oder bei uns 😉 , damit ihr Fähigkeiten nachweisen könnt.
  • Haltet Ausschau nach Praktika oder Shadowing Programmen, in denen ihr die Rollen austesten könnt.
  • Schlagt in eurem aktuellen beruflichen Kontext vor, agiles Arbeiten auszuprobieren und bietet an, als Agile Coach oder Scrum Master freiwillig ins kalte Wasser zu springen, um erste Berufserfahrungen zu sammeln.
  • Die Agentur für Arbeit weiß übrigens inzwischen, was ein Scrum Master ist und kann euch gezielt Fortbildungen finanzieren oder Stellen vermitteln.
  • Legt diverse Social Media Profile z. B. auf Linkedin an und sucht den digitalen Austausch mit Gleichgesinnten.

Agile Companion

Ich habe heute in meinem Beitrag die verschiedenen Rollen und Aufgaben eines Agile Coaches vorgestellt sowie eine Definition aufgezeigt, die sich in der Community ausgeprägt hat. Auch durch zahlreiche Diskussionen unserer Agile Coach Ausbildung war ich für mich schließlich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich den Begriff „Agile Coach“ als sehr unüberlegt empfinde. Er löst meistens mehr Missverständnisse aus, als das er uns Klarheit verschafft. In Auftragsklärungen begegnet mir auch oft eine größere Ablehnung gegenüber des Coachings. Das mag daran liegen, wie in der Vergangenheit von anderen diese Rolle gelebt wurde, aber auch daran, dass die Kund*in sich schlichtweg etwas anderes wünscht. Verkürzt gedacht und dennoch für mich sehr gut auf den Punkt gebracht, bin ich als Selbstständiger ein „Agiler Begleiter“. Wir könnten auch „Agiler Partner“, „Agiler Mentor“ oder „Agiler Experte“ dazu sagen. Mir gefällt am meisten „Agile Companion“. Wichtig ist mir ein Begriff der offen lässt, welche meiner Fähigkeiten zum Einsatz kommen. Die einen brauchen in der Begleitung mehr ein Training und Moderation, die anderen wünschen sich eher Beratung und Coaching. Mir persönlich geht es darum, Organisationen und Menschen auf ihrer Lernreise zu begleiten. Ein Companion klingt für mich auch nach einer guten Gesellschaft, die mit einer gewissen Fröhlichkeit und Offenheit dabei ist. Ein Ansprechpartner, der ich eben auch sein möchte, für all die Herausforderungen, die das agile Arbeiten und jeder Veränderungsprozess mit sich bringt.

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